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Österreichs Auszeichnung für exzellente Wirtschaftsleistungen
entlang der Wertschöpfungskette

Laudatio zum Austrian Supply Innovation Award 2008

von Univ.-Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky

am 1.10.2007 im Haus der Industrie, Wien

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Laudatio für den Preisträger des Austrian Supply Innovation Awards 2008
in der Kategorie EINKÄUFER

Preisträger: Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten

Vertreten durch: Stellvertretenden Referatsleiter Oberregierungsrat Ronald Bachfischer

Projekt: Dynamische Beschaffung im Freistaat Bayern

Mit dem Elektronischen Beschaffungssystem ELBE wurde ein für die öffentliche Hand vorbildliches System konzipiert und eingeführt, das erhebliche Kostensenkungseffekte verspricht. Aufgrund der gemachten Erfahrungen wird nunmehr bayernweit eine E-Procurement-Plattform für VOB- und VOL-Beschaffungen zum Einsatz kommen, für die Prozesskosteneinsparungen in Höhe von 40 Mio. EUR und eine Reduzierungen der Materialkosten von 13,5 Mio. EUR pro Jahr erwartet werden. Hieraus resultiert eine avisierte Amortisation der Einführungskosten in weniger als 9 Monaten.

Mit ELBE wird die „Freihändige Vergabe“, die für rund 80% der Beschaffungen seitens der Ministerien des Freistaates Bayern und nachgeordneter Dienststellen das gewählte Vergabeverfahren darstellt, unterstützt. Da die „Freihändige Vergabe“ das Einholen von mindestens drei Vergleichsangeboten erfordert, entstehen bei händischer Durchführung der rund 300.000 Anfragen pro Jahr erhebliche Prozesskosten. Zudem führte die hiermit einhergehende Arbeitsbelastung nicht selten zu einer wenig konsequenten Nutzung existierender Marktchancen und zu einer einseitigen Ausrichtung am Angebotspreis anstelle an der Gesamtwirtschaftlichkeit.

Die elektronische Unterstützung durch ELBE ermöglicht nicht nur die Reduzierung der internen Prozesskosten um rund 70%, sondern verbessert gleichzeitig die Markttransparenz für die Vergabestelle. Letztere hat zu Beschaffungskostensenkungen in Höhe von rund 10% je Warengruppe geführt. Gleichsam erhält eine deutlich größere Anzahl von – insbesondere auch mittelständischen - Anbietern die Möglichkeit zur Angebotsangabe, da alle für eine Warengruppe registrierten Unternehmen automatisch zur Teilnahme am Ausschreibungswettbewerb aufgefordert werden. Dies schafft faireren Wettbewerb und fördert gleichzeitig den Mittelstand.

Aus den genannten Gründen sowie der intuitiven und klaren Benutzerführung erfreut sich das System hoher Akzeptanz bei den Nutzern auf beiden Seiten. Zudem werden die relevanten Daten der Beschaffungsprozesse in die jeweiligen Haushalts- und Kassensysteme überführt, so dass auch diesbezüglich ein reibungsloser Prozess realisiert wurde.

 

Herr Bachfischer, herzliche Glückwünsche zu diesem Preis !


Laudatio für den Preisträger des Austrian Supply Innovation Awards 2008
in der Kategorie LIEFERANT

Preisträger: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Lebensministerium), Abteilung V/2 für Chemikalienpolitik

Vertreten durch: Abteilungsleiter Mag. Dr. Thomas Jakl

Projekt: Chemikalien-Leasing (ChL)

ChL ist ein vom Lebensministerium initiiertes neues Geschäftsmodell im Bereich der gewerblichen Verwendung von Chemikalien. Basisidee ist es, die unter Einsatz von Chemikalien durchzuführende Leistung zum Vertragsgegenstand zwischen Anbieter und Auftraggeber zu machen und nicht mehr, wie bisher, den Erwerb der Chemikalien selbst. Damit liegt der effiziente – sprich: für die zu erbringende Leistung geringstmögliche – Einsatz der zu verwendenden Chemikalien im Interesse beider Vertragsparteien. Eine Studie konnte für Österreich zeigen, dass auf diese Weise eine Reduktion um bis zu 53.000 to Chemikalien per annum und damit in Höhe von einem Drittel des Gesamtverbrauchs potenziell möglich wird.

Das kostenmäßige Einsparpotenzial auf Seiten der Auftraggeber wird bei 15% gesehen, wohingegen davon ausgegangen wird, das für den Auftragnehmer der Einsatz seiner problemspezifischen Fähigkeiten im Rahmen der zu erbringenden Dienstleistungen mittelfristig zu Vorteilen führt. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen ergeben sich direkt ersichtlich ökologische Gewinne, da weniger umweltschädliche Stoffe eingesetzt werden. Auch die Rücknahme nicht benötigter, aber gegebenenfalls auch von gebrauchten Chemikalien fördert die nachhaltige Stoffwirtschaft.

Das Lebensministerium hat die für die Umsetzung dieses Geschäftsmodell notwendigen rechtlichen Grundlagen bereit gestellt, wobei atypische Dienstleistungsverträge, ähnlich dem Werkvertrag mit Elementen von Dienst- und Mietverträgen zum Einsatz kommen. Zusätzlich ist das Abfallwirtschaftsrecht und das gewerbliche Betriebsanlagenrecht zu beachten. Eine Qualitätssicherung erfolgt über den Standard „Certified Chemical Leasing“.

Bisher wurde das Modell u.a. in der Metallbearbeitung für Chemikalien zum Reinigen/Entfetten, Beizen, Gießen, Kühlen und Schmieren, für die chemische Synthese sowie die Wasseraufbereitung in Österreich und Deutschland eingesetzt. Besonders hervorzuheben ist das Bestreben der Internationalisierung dieses Konzepts. So kooperiert das Lebensministerium mit der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO) und führt Projekte in Ägypten, Mexiko und in Russland durch; in Kolumbien, Serbien, Sri Lanka und Marokko lanciert die UNIDO die Einführung des Konzepts.

 

Herr Jakl, herzliche Glückwünsche zu diesem Preis !


Laudatio für den Preisträger des ANERKENNUNGSPREISES im Rahmen des  Austrian Supply Innovation Awards 2008

Preisträger: CommonSense IT-Consulting GmbH

Vertreten durch: Kurt Pikl

Projekt: CoSeDat – Branchenportal der Holzindustrie

Das Branchenportal für die Holzindustrie CoSeDat wurde als innovative Lösungen in einem besonders schwierigen Umfeld ausgezeichnet. Ausgangsproblem ist die im Rahmen des Wertschöpfungsprozesses bisher übliche und aufwendige Mehrfacherfassung der Daten, einschließlich der Änderung von Maßeinheiten und Qualitäten für quasi ein und dasselbe Produkt.  Hinzu kommt die Problematik länderspezifischer Normen und Standards auf Seiten der Lieferanten (also der Forste), die von den international agierenden Kunden – der Holzindustrie – konsolidiert werden müssen.

Die von der Firma Latschenbacher betriebene Logistikplattform winforstpro.netlogistik erlaubt u.a. die Verwaltung von Holzlägern im Wald sowie von Restmengen, die Verarbeitung elektronisch erfasster sowie von Geo-Informationsdaten und damit eine verbesserte Disposition beim Spediteur. In dieser Lösung werden mit CoSeMat einheitliche Artikelstamm-Nummernschlüssel verwendet, die auf dem vom Konsortium der deutschen Forste und in Kooperation mit dem Kuratorium für Wald- und Forstwirtschaft entwickelten Standard ELDAT basiert. Zudem wird mit CoSePar ein einheitlicher Partnerschlüssel eingesetzt. Beide Standards wurden von CommonSense entwickelt bzw. adaptiert.

CoSeDat selbst organisiert den Austausch von Gutschriften sowie von Wiege- und von Einzelstammprotokollen. Die Kooperation zwischen winforstpro und CoSeDat ermöglicht somit die Durchführung relativ reibungsloser IT-Prozesse in der betrachteten Wertschöpfungskette. Weitere Features der Software ermöglichen das Herunterladen von Dokumenten für Zwecke der Archivierung seitens der Partner. In Vorbereitung sind Anwendung für die kollaborative Disposition sowie für die Optimierung bzw. Reservierung von Abladezeiten seitens der Logistikunternehmen. Eine Einführung der Plattform in Europa wird angestrebt.

 

Herr Pikl, herzliche Glückwünsche zu diesem Preis !

 

 

Laudatio für den Preisträger des Austrian Supply Innovation Awards 2008
in der Kategorie WISSENSCHAFT

Preisträger: Dr. Andreas Wels

Dissertationsschrift: Quantifizierung von Lieferzeitabweichungen zur Unterstützung eines effektiven Supply Chain Risikomanagements

Durchgeführt: An der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Dresden; Lehrstuhl Industrielles Management, Prof. Dr. Udo Buscher

Herr Wels greift die in der Literatur des Supply Chain Management bisher relativ vernachlässigte, jedoch sehr bedeutende Fragestellung des (wohlgemerkt quantitativ fundierten) Risikomanagements auf. Relativ vernachlässigt deshalb, weil sich von den von ihm recherchierten – und sicher auch durchgearbeiteten – 282 Beiträgen lediglich 29 mit der Quantifizierung von Risiken befassten. Auch der Autor begnügt sich nicht mit qualitativen Aussagen und Analysen, sondern setzt anspruchsvolle formale Modelle ein, um Entscheidungsträgern in Unternehmen, die Teil von Wertschöpfungsketten oder –netzen sind, ein Instrumentarium an die Hand zu geben, mit dem diese in die Lage versetzt werden, bestehende Risiken zu erkennen.

Der Fokus liegt dabei auf beschaffungsseitigen Risiken, die aus Lieferzeitabweichungen resultieren. Ein Schwerpunkt ist die im Rahmen einer wirkungsbezogenen Betrachtungsweise vorgenommene Entwicklung eines Kriterienkatalogs für die Bewertung von Ansätzen zur Risikoevaluation. Der umfassenden Analyse bestehender Methoden zur Risikomessung bzw. –bewertung sowie der tiefer gehenden Untersuchung zweier Ansätze (dem Semi-Markov-Prozessmodell sowie der szenariogestützten Risikoquantifizierung) widmet er breiteren Raum und kommt zu dem Schluss, dass diese das bestehende Supply Chain Risiko unzureichend abbilden.

Hieraus resultiert die Wahl der Lieferzeitabweichung als geeignete, Risiko bestimmende Größe. Durch den Einsatz statistischer Methoden und der Adaption von Ansätzen aus der Finanzwirtschaft wird ein eigenes Modell entwickelt, das es erlaubt, Supply Chain Risiken adäquat zu messen. Simulationsmodelle verdeutlichen die – theoretische wie praktische - Einsetzbarkeit ebenso wie die Anwendung auf das bekannte Beispiel der Tür-Innenverkleidungen für das Mercedes C-Modell. Für die Risikobewertung werden Cash-Flow-at-Risk-Modelle adaptiert und eingesetzt.

Der theoretische Anspruch, die überzeugende Durchführung, einschließlich der Konstruktion und dem Einsatz anspruchsvoller formaler Modelle und die mit über 400 Quellen überzeugende Literaturarbeit rechtfertigen nicht nur die Note summa cum laude, sondern auch die Verleihung dieses Wissenschaftspreises.

 

Herr Wels, herzliche Glückwünsche zu diesem Preis !

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